Was uns der Körper des Pferdes zeigt

Immer wieder habe ich das Gefühl, dass die Equitation – also die Praktiken des Reitens, viel wichtiger sind als das, was das Pferd tut, ob es angestrengt dabei aussieht und bestimmte reiterliche Praktiken noch gar nicht leisten KANN. Oder ob das Pferd jung und noch unterentwickelt (also nicht in seinem körperlichen Entwicklungsstand) ist, ob es älter und sowieso überbelastet ist, usw. usw.

Das Pferd wird uns immer alles zeigen, was es kann – was es nicht zeigt – kann es nicht!

Wenn SIE die körperliche Ausgeglichenheit ihres Pferdes auf einer Skala von eins (für gering) bis zehn (hoch) angeben müssten, wo steht ihr Pferd dann im Moment?

Und wenn der Wert der gesamten körperlichen Ausgeglichenheit ihres Pferdes sehr niedrig ist, wann kamen sie zuletzt auf einen deutlich höheren Wert?

Welchen Wert würden Sie für die Ausgeglichenheit des Genicks ihres Pferdes (also der strukturelle Übergang zwischen Kopf und Hals) angeben?

Und welchen Wert für die Ausgeglichenheit des Becken-Lendenüberganges ihres Pferdes (also der strukturelle Übergang zwischen Becken/Hüfte und Lende/Rumpf)?

Sind das Werte, mit denen Sie dauerhaft zufrieden sein können? Und ihr Pferd?

Mal angenommen, es wäre Ihre Aufgabe, in den kommenden zwei Monaten eine Acht auf der Skala in allen drei Punkten der Ausgeglichenheit (also gesamtkörperlich, im Nacken und Beckenbereich) zu erreichen. Was müssten Sie dann tun?

Müssten Sie mit ihrem Pferd noch länger, noch härter und noch öfter „arbeiten“? Also noch weiter, noch intensiver reiten, sich vielleicht stärkere Instrumente der körperlichen Formung zulegen? Den Reitlehrer wechseln oder das Pferd von Kopf bis Fuss medizinisch durchchecken lassen?

Glauben Sie, dass nochmal eine Verstärkung der bestehenden mangelnden körperlichen Ausgeglichenheit, Ihnen die begehrte Lösung bringt?

Aber mal angenommen, Sie würden NEUE ANSÄTZE formulieren – und zwar solche in denen sich das Pferd so verhalten kann, dass es sich mit seinem Körper in eine körperliche Ausgeglichenheit bringen kann – welche Ansätze kämen für Sie dabei heraus?

  • Ich muss es mit allen Handlungen dem Körper des Pferdes recht machen, nicht der Equitation (den reiterlichen Praktiken)
  • Die Ausgeglichenheit des Pferdekörpers hängt vom optimalen Zusammenwirken aller Körperteile und der Strukturen ab.
  • Das Pferd mit seinen Systemen muss an seinen Bewegungen beteiligt sein – dazu muss sich das Pferd in einem gelösten Zustand befinden, damit seine Bewegungen zugleich aufbauend und ausgleichend wirken. Aufgesetzte Übungen fördern die Verkrampfungen und Verspannungen mehr, als dass sie lösen.

Mit diesen (und anderen) Ansätzen steigen Sie in den BEWEGUNGSPROZESS des Pferdes ein, der sich an den Funktionen des Gelenk-, Wirbel-, und Knochensystems und des Organismus orientiert und nicht an den Muskeln, die dann bestimmte Bewegungen ausführen sollen. Die Entfaltung von „nicht entwickeltem“, verkürztem oder gedehnten wird gefördert und körperliche Defizite durch den Bewegungsprozess des Pferdes aufgefüllt.

Wie soll sich ein Pferd bewegen – wenn es sich nicht bewegen kann?

Bewegungsdefizite entstehen, wenn das Pferd verkrampft und in Spannungszuständen oder spannungslos und trotzdem im Spannungszustand seines Körpers ist. Beide „Zustände“ haben natürlich eine Bedeutung und signalisieren die „unbewussten Reflexe“ – also die unbewussten, reflexhaften Bewegungen (Angst,- Unsicherheit,- Flucht,- oder Aggressionsverhalten).

Der Pferdekörper muss immer im Wandel sein – nicht in der Fixierung

Im Bewegungsprozess ist auch ein „Aufholen“ entsprechender körperlicher Defizite, oder Verhaltensschwierigkeiten mithilfe der „bewussten Bewegung“ möglich. Man könnte auch Regenerierung sagen.

Alle Vorgaben zu geschmeidigen, koordinierten und kadenzierten Bewegungen sind ja – wie ich schon öfters erwähnt habe – im Pferdekörper bereits gespeichert. Ob die Möglichkeiten und Fähigkeiten des Pferdes aber aktiv sind, zeigt sich unter anderem an der Gesichtsmimik, der „Gestik“ der Gliedmaßen, Spannungszuständen und vor allem an der Atmung.

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Die BIOMOTORIK möchte das Pferd neugierig machen auf seinen Körper. Besser gesagt, SIE können die BIOMOTORIK nutzen, um den Bewegungen des Pferdes eine neue, natürliche und gesunde Richtung zu geben. Die BIOMOTORIK unterstützt SIE dabei, sich mit ihrem Pferd auf ihren ganz persönlichen Bewegungsweg zu machen, und so ganz neue, bisher unentdeckte Seiten und Fähigkeiten der Bewegung, an sich und ihrem Pferd kennenzulernen.

Womöglich finden Sie auf der Webseite www.biologischemotorik.com Antworten auf Fragen, die Sie sich noch gar nicht gestellt haben. Aber vielleicht auch auf solche, die Sie vielleicht schon lange mit sich herumtragen.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls bewegende Erfahrungen mit ihrem Pferd!

Monika Pausch

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