Soziales Lernen

„Bestehen Sie auf das Gehorsam ihres Pferdes“, „hart aber gerecht“, „zeigen Sie ihrem Pferd, wer das Sagen hat“, „Disziplin mit Liebe“, „man muss dem Pferd beibringen, der Führung des Menschen zu gehorchen, und sich ihr zu fügen“, „das Pferd muss die Hilfen des Menschen erlernen“, „das Pferd braucht Kontrolle – es gibt ihm Sicherheit“, „nur Disziplin schafft ein gutes Reiten“.

Das sind Zitate, die den Menschen dazu aufrufen, Macht über das Pferd auszuüben. Dabei wird kaum oder gar nicht hinterfragt, welche Wirkung auf das Pferd, seinen Körper, seine Bewegungen und vor allem auf sein Verhalten erzielt wird. Auch wenn der Mensch manchmal glaubt, dass sich das Pferd in der Rolle des Gehorsamen sicherer fühlt, oder dass es das sogar „braucht“. Nein, das möchte der Mensch nur glauben. Vielleicht, weil er eine Rechtfertigung für sein Tun braucht?

Aber warum glauben wir das eigentlich?

Warum halten wir das Pferd für so unfähig, dass wir ihnen nicht zugestehen können, selbst über seinen Körper zu verfügen? Damit unterschätzen wir Pferde doch unglaublich. Das Pferd ist das vielfältigste Bewegungstier der Welt, ausgestattet mit einem hochkomplexen Bewegungsapparat. Also können sich Pferde doch sehr wohl bewegen, auch wenn es keinen Menschen in ihrem Leben gibt, der es ihnen zeigt.

Das „soziale Lernen“, das im Schulungsprogramm der Natur in der Familienherde stattfindet, hat deshalb so gar nichts mit einstudierten Bewegungen zu tun, sondern mit der ständigen Weiterentwicklung von motorischen Reflexen. Dieses körperliche Lernen bei denen die Informationen der Sinne, in Bewegungen „verarbeitet“ werden, ist tief verwurzelt. Sehr tief. Und hat erstmal nichts mit dem Menschen zu tun.

Pferde machen sich einen Spaß daraus, ihre Bewegungen zu verändern

Wenn ich unterwegs bin, sehe in den einzelnen Pferden – Persönlichkeiten. Oft sogar trotz einer Umwelt, wo man es nicht vermuten würde. Manche sind schüchtern, fürsorglich, aggressiv, frech, ängstlich, aktiv, mutig oder lustig. Einige haben Angst vor Unbekannten und brauchen/bräuchten die sichere Anwesenheit des Menschen – während andere die Abenteurer sind, die am Ende ihres Abenteuers stolz zu ihrem Menschen kommen möchten.

Ich habe es früher auch nicht geglaubt, dass Pferde sich SO voneinander unterscheiden, und doch so aufmerksam, neugierig, lern-, und abstimmungsbereit gegenüber dem Menschen sind. Und – die Beziehung zum Menschen suchen, weil sie den Menschen auf ihre Weise zu ihrer Entwicklung brauchen. Nicht etwa, weil sie von ihm abhängig sind, sondern weil es eben die Art des Pferdes ist, sehr sozial in Gemeinschaft und mit gemeinsamem Austausch miteinander zu leben.

Dass das körperliche „Lernen“ des Pferdes auch ganz anders verlaufen kann als in einem stereotypen Einstudieren von Bewegungen, zeigt uns deshalb – wie immer – am besten die Natur selbst. Und damit der natürliche Familien-Herdenverband des Pferdes, der das „soziale Lernen“ auf eine geradezu perfekte Weise praktiziert.

Lernen von der Natur

Mittlerweile überrascht mich der Anblick von Pferden, die sich um mich versammeln und zuschauen, während ich mit einem von ihnen die „biomotorischen Übungen“ mache, überhaupt nicht mehr. Inzwischen weiß ich – auch da findet auf eine ganz eigene Weise „soziales Lernen“ statt.

Ein Beispiel dazu: wenn ein einzelnes Pferd andere Bewegungen macht wie sonst, finden das die anderen Herdenmitglieder interessant, lustig oder aufregend – jedenfalls schauen alle hin. Und – beginnen nachzumachen. So funktioniert das „soziale Lernen“. „Können“ eines Pferdes bringt neue Impulse in die ganze Herde, die besonderen Fähigkeiten der einzelnen Tiere werden verfeinert und kommen damit der Herde als Ganzes (soziale Gemeinsamkeit) wieder zugute. Die Herde verändert spielerisch ihre Bewegungen, bleibt „in Bewegung“ und wird dabei überlebensfähiger.

Es ist deshalb nicht allzu überraschend, dass ein Pferd beim „sozialen Lernen“ am meisten lernt. Es lernt z.B. Situationen, die ihm zuvor Angst gemacht haben, mit seinem Entwicklungsprozess und in seinem Tempo, mit seinem Körper und seiner Selbstkontrolle zu meistern. Wie so eine Situation auf das Pferd wirkt – ob positiv oder negativ – wird ja davon bestimmt, wie sie von seinen Sinnen wahrgenommen wird. Nicht davon wie viele künstliche Bewegungen es erlernt hat.

Das „soziale Lernen“ ist damit eine perfekte Lernmethode, um den Entwicklungsprozess des Pferdes in seinen Fähigkeiten zu fördern. Dabei ist entscheidend, dass sich das Pferd frei bewegen kann und seine Sinne mit den Stimulationen der Umwelt oder der Artgenossen, immer wieder „bewegt“. Fehlen diese Stimulationen, kommt es u.a. zu der Ausprägung eines schwachen Muskeltonus, bei der es unter vielem anderen, auch Schwierigkeiten hat zu atmen.

In der Familienherde der Natur ist jedes einzelne Pferd ist in seiner Einzigartigkeit und in seiner Persönlichkeit wichtig. Davon können wir nur andächtig lernen. Deshalb habe ich mir das auch für die BIOMOTORIK und die „biomotorischen Übungen“ abgeschaut. Nur mit der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, kann das Pferd das Gefühl und den Umgang mit seinem Körper entwickeln.

Lernen wir unseren Pferden das Falsche?

Vorrangig braucht das Pferd eine biologisch und ökologisch gesunde Umwelt. Fehlt diese (sowie zu 99,5%) so muss der Mensch diese Stimulationen ersetzen – ohne allerdings in das körperliche Geschehen einzugreifen. Auch die Persönlichkeit des einzelnen Pferdes muss ja – parallel zu seinen Bewegungen wachsen und sich entfalten. Sonst haben wir unter Umständen die Unsicherheit eines Dreijährigen im Körper eines Elfjährigen.

 Die Autonomie des einzelnen Pferdes in der Gemeinsamkeit der Herde

Statt Individualität zu unterdrücken, müssen wir uns darum kümmern – wenn wir das Pferd in unsere Obhut nehmen, dass das Pferd immer MEHR seiner Sinne nutzt. Der „Entwicklungsmotor“ dazu muss von UNS immer wieder in Gang gesetzt werden. Er funktioniert für das Pferd aber nur dann, wenn sich das Pferd mit dem Menschen verbunden fühlt. Und was eignet sich besser für eine verbundene Beziehung als gemeinsame Bewegungen. Ob Schulter an Schulter am Boden – oder auf dem Rücken des Pferdes – ist dabei dem Pferd herzlich egal.

Wir können vom Schulungsprogramm der Natur viel lernen.

Ich persönlich komme nach den vielen Pferden, die ich bisher kennenlernen konnte, zu dem Schluss, dass das Pferd ein sehr besonderes Tier mit unfassbar feinen Sinnen, einer exzellenten Selbstkontrolle und einer besonderen Wahrnehmung für die Welt hat, in der es lebt.

Wenn das Pferd nicht gerade Spannungen im Genick hat, hat es den „Schalk im Nacken“. Das Pferd ist ein Wesen mit sprudelnder, dynamischer und doch in sich ruhender Lebens-, und Bewegungsfreude – einer Persönlichkeit mit einem gesunden Sinn für Freude, Spaß und Humor und vor allem einer bemerkenswerten Sympathie und Interesse für den Menschen.

Und das alles möchte ich mit dem Schulungsprogramm der Natur – der BIOMOTORIK, den „biomotorischen Übungen“ und natürlich mit Ihnen zusammen unterstützen und fördern.

Wollen Sie mehr über das „soziale Lernen“ wissen, über „Störungen“ oder wie „Reiten gelingt“?

Dann stöbern Sie doch einfach auf meiner Webseite www.biologischemotorik.com oder hier in Facebook unter „die Biomotorik des Pferdes“.
Natürlich bin ich wie immer (auch für Fragen) für Sie erreichbar unter: 0049 1516 1958339

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