Der Mensch am Pferd

Der Mensch am Pferd

Der Mensch und das Pferd – was macht das mit dem Pferd?

In der Vergangenheit haben wir leider alles dafür getan, um das Pferd „berechenbar“, einschätzbar und sogar kontrollierbar zu machen – für uns – für den Menschen. So haben wir alle das Reiten gelernt. Zu sagen, das alles wäre falsch gewesen, wäre sehr einseitig gedacht, denn es gab Gründe! Die Vergangenheit ist den Zeiten geschuldet, in denen sie entstanden sind.

Aber heute sind andere Zeiten, mit einer anderen Umwelt, anderen Ansprüchen – anderen körperlichen Voraussetzungen vor allem beim Menschen. Und obwohl sich die gesamte Welt mit allen für und widers extrem schnell weitergedreht hat – ist eines gleichgeblieben – die emotional und körperlich angelegten Bewegungsbedürfnisse beim Pferd!

Die Biomotorik macht was!

Die Biomotorik macht definitiv nicht nur was mit und für das Pferd, sondern auch mit und für den Menschen – aber vor allem FÜR die gemeinsame Verbindung zwischen Mensch und Pferd. Aber die Biomotorik wäre nicht die Biomotorik, wenn sie diese verbindende Entwicklung nicht durch ihre Sichtweise erklären könnte.

Was macht das mit dem Pferd? Was machen WIR mit dem Pferd?

Indem wir uns auf mechanische „Geh-Hilfen“ (Hilfs-Zügel, Gebisse, spezielle Sättel in denen man zwar gut sitzen, sich aber nicht bewegen kann), auf Techniken, Gewohnheiten, Formungen, Anweisungen und Tipps verlassen haben, und den Körper des Pferdes dabei berechenbar gemacht haben, haben wir auf unsere Intuition, auf unsere Sinne, unsere Wahrnehmung – kurz gesagt auf die Bandbreite unseres Gehirnes – außer dem Stammhirn – verzichtet.

Das Stammhirn ist aber zuständig für die unbewussten Reaktionen, Flucht- und Widerstandsreaktionen – also alles was nicht z. B. mit den Emotionen des Limbischen Anteils in unserem Gehirn verschaltet ist. Natürlich merken Sie das nicht (leidet muss man sagen), denn würden die verschiedenen Gehirnareale bei Benutzung oder Nicht-Benutzung wie ein besetztes oder nicht-besetztes WC anzeigen, würden wir vieles, was in uns vorgeht, besser verstehen.

Ein kleines Zwischen-Fazit: Bei Nicht-Benutzung unserer Sinneswahrnehmungen und den daraus folgenden Wirksamkeitsketten im Körper, aus denen unsere situativen und feinmotorischen Handlungen entstehen, sind alle Reaktionen und Handlungen mit den Stammhirn-Reaktionen gefärbt. Das ist das eine!

Das andere ist, das die „Liebe“ und die Verbindung zu unserem Pferd uns in einer anderen Beziehungsebene emotional reagieren lässt. „Ich weiß doch am besten, was meinem Pferd guttut“, „ich kenne alle seine Reaktionen“ sind typische Aussprüche aus diesem tückischen, oft sehr verkopften Gefühls- und Empfindungscocktail.

Derweil haben sich unsere situativen Sinne, unsere Empathie, unser breitangelegtes Stimmungsempfinden (ja – auch wir haben das!) unsere Wahrnehmung – auch der Gesamtsituation –des Pferdes und seines Körpers „entspannt“ zurückgelehnt, und warten auf ihren „Einsatz“. Der aber nicht kommt – und nach dem „use it – or lose it“ Prinzip der Natur, werden sie erst mal bis auf ein Minimum zurückgefahren und eingefroren.

Ein erstes Kennenlernen der Biomotorik

In dieser Situation lernen Sie vielleicht die Biomotorik kennen. Die Biomotorik, die das Gegenteil von ihren bestehenden Stammhirn-Reaktionen ist – also voll von Sinneswahrnehmungen, Erfühlen, Empfinden, Körperentdecken usw. ist, spricht genau die Momente in Ihnen an, die sich ja zur Ruhe gelegt haben.

Was macht ihr Körper als erstes?

Ihr Körper und vor allem ihr rationales Gehirn scannt erstmal die angebotenen Themen mit ihm bekannten und vertrauten Vorgängen ab. Wenn da nicht viel bekanntes erscheint – tja, Pech für die Biomotorik ihres Pferdes. Denn die wird erstmal in den „unbearbeitet“ Ordner ihres Gehirnes abgelegt.

Ok – aber wo ist die Lösung?

Die Lösung liegt in der (Weiter)entwicklung ihrer Wahrnehmungsfähigkeit. Bisher haben Sie ihr bestes, nach allen rationalen Gründen gegeben. Wenn ich die Menschen Revue passieren lasse, ich sich mit der Biomotorik ihres Pferdes beschäftigen wollen, so hat die ganz große Mehrheit von Ihnen gelernt, sich auf rationales Denken, das visuelle Sehen (kann ich mal ein Video sehen) oder aber auf ihr (wie oben beschrieben) einseitig gefärbte Intuition zu verlassen, die nicht nur ihre Meinung, sondern so auch ihre Wahrheit geworden ist, um herauszufinden, welchen Weg sie mit ihrem Pferd gehen sollen.

Aber Denken kann eben ebenso trügerisch sein, wie einseitig gefärbte Intuition. Beides KANN ein Weg in die Täuschung und in den Irrtum sein. Und vor allem wenn ein so sensibles Lebewesen wie das Pferd mit beteiligt ist – mit seinen Bedürfnissen, Wahrnehmungen, Ängsten und Unsicherheiten.

Wahrnehmungsfähigkeit – die Fähigkeit das Pferd wahrzunehmen

Daher muss ich gerade zu Beginn der „biomotorischen Übungen“, die Teilnehmer sehr häufig ermutigen und dazu einladen, vorschnelle Schlüsse, Meinungen, Handlungen, Gewohnheiten erstmal zu vermeiden, und stattdessen den sich entfaltenden Körperprozess des Pferdes zu beobachten und den neuen Bewegungsmöglichkeiten gegenüber offen und ohne Erwartung zu sein. Was natürlich sehr schwer fällt, wenn das Pferd schlecht läuft oder gar lahmt – oder „ungehorsam“ ist, und man vielleicht selber schon damit schlechte Erfahrungen gemacht hat.

Aber das Pferd muss – wirklich es muss, in allen Fällen seine eigenen Bewegungsmöglichkeiten ausloten können. Also dass, was in seinem Körper tut – was unbelastet und funktionsfähig ist, was nicht weh tut oder emotional belastet ist – selber entdecken und neugierig ausprobieren können. Genauso wie es in der Interaktion mit dem Menschen in Bereiche geführt werden muss, in denen es nicht ängstlich, unsicher, oder voll mit Widerstand ist. Gegen die brauchen wir als Mensch nicht kämpfen, und sie schon gar nicht vermeiden – denn diese (Verhaltens)Bereiche sind durch ihre Wechselwirkung gefährlich. Und am besten machen wir alles dafür, um die nicht zu betreten.

Viele müssen daher erst wieder erlernen, auf die Botschaften ihrer Wahrnehmungen und Empfindungen, nicht auf ihre gefärbte Emotionalität und Gewohnheit zu hören. Sie müssen lernen, kein bisschen mehr zu tun, als die Bewegungen des Pferdes von selbst entwickeln zu lassen, und ihr Handeln dabei einfach spielerische Vorschläge, Einladungen und Situationen sind, die das Pferd annehmen kann oder nicht.

Viele Teilnehmer oder auch Interessierte in Telefongesprächen berichten mir, wie sie – manchmal sogar verzweifelt – versucht haben, ein „Problem“ des Pferdes zu lösen. Wie schön es war, wenn Besserungen eingetreten sind, die dann aber oft ins Gegenteil umgeschwappt sind. Sie haben andere Reitweisen, die verschiedensten Therapien, Mechanische Instrumente, Gehhilfen und so viel mehr ausprobiert. Da aber das meiste mit willentlicher Absicht des Menschen gehändelt wurde, blieb alles in den engen Kreisen des eingebundenen, vielleicht ängstlichen oder aggressiven, aber immer nicht bewegungsfähigen Pferdekörpers, und in seinen immer wiederkehrenden Mustern gefangen,

Der Mensch ist aber dabei so damit beschäftigt, etwas „Gutes“ zu erreichen, dass man Gefahr läuft, die zarten Lösungen zu zerstören, die gerade beim Pferd begonnen haben, sich zu entfalten. Warum? weil der Zielort einer menschlichen „Hilfe“ eine ganz andere ist – und dementsprechend auch ganz anders beim Pferd ankommt – als dem Pferd erstmal einen gesicherten Raum zu geben, in dem es sich selbst entfalten kann. Wo aber kein Raum ist, kann sich nichts entfalten!

Die Entwicklung und Entfaltung des Pferdes in den Entwicklungsphasen

Meist kommen die wirklich wirksamen und nachhaltigen Lösungen auf natürlichem, leisen, schlichten und unauffälligen Wegen zu uns. ABER SIE KOMMEN ZU UNS!
Diese prozessorientierten Lösungen haben natürlich nur eine Chance, wenn wir empfindsam genug sind, um unsere Absicht erstmal zurückzunehmen und aufnahmebereit dem Pferd zu zuhören. Die wahren (weil prozessorientiert) Lösungen des Körpers sind einfach, fast still, elegant, leicht und immer im Einklang mit dem gesamten körperlichen Zusammenwirken.

Sie wollen eingeladen sein, so wie das Pferd eingeladen werden will, indem wir seinem Körper Raum, Aufmerksamkeit für seinen Körper und die Sicherheit zum Hereinhorchen in seinen Körper schaffen. In der Biomotorik nenne ich das Fokussieren – und fokussieren kann man immer, denn genau das ist die körperliche Einladung – das Umlenken. Immer weg von gefährdeten oder schmerzenden Stellen. Da entsteht diese innere Produktivität im Pferdekörper, die die erste Entwicklungsstufe auszeichnet.

Diese Art des Körperprozesses beim Pferd kann der Mensch nicht „machen“, nicht bewusst oder verkopft herstellen, sondern lediglich einladen und annehmen – wie, ja wie, jeden Morgen eines neuen Tags.

Vielleicht frustriert es Sie, dass zu lesen. Vielleicht fühlen Sie sich damit beschränkt in ihrem bisher erlernten Handlungsspielraum, vielleicht fühlen Sie sich unwissend und seltsam passiv. Aber wir müssen die natürlich angelegten Kräfte des Pferdes respektieren und wo immer unsere Aufmerksamkeit hingeht, verdichtet sich die Bewegungsenergie und es entsteht ein innerlicher produktiver, dynamischer Prozess im Pferd, der nach einem gesicherten Rahmen, Aufmerksamkeit und Begleitung verlangt. Und alles weg vom so sehr gefährdeten Kiefer/Zungenbein/Genickkomplex des Pferdes.

Die „biomotorischen Übungen“ machen alles dafür, damit sie den verkörperten Entwicklungsprozess ihres Pferdes aufnehmen können, und ihn dabei nicht aktiv zu zerstören.

Interessieren Sie die biologischen Bewegungen ihres Pferdes?
Dann informieren Sie sich doch weiter unter www.biologischemotorik.com