Was hat das Pferd von…

…einer belastungsfreien Körpermechanik?

Die Vorteile der biomotorischen Körperbildung und der motorischen Bewegungsentwicklung liegen auf der Hand. Mit einer belastungsfreien Körpermechanik des Pferdes, sind/werden alle Körperteile des Pferdes frei und einsatzbereit. Die Muskelaktivität wird durch das plastische Zusammenwirken des ganzen Pferdekörpers verringert und erzielt eine Belastungsreduktion von Wirbeln und Gelenken.

Wie aber entsteht eine hohe Gelenksbelastung – die ja bestimmt kein Reiter bewusst „herstellen“ möchte?

Um die Höhe der Gelenksbelastung einschätzen zu können, ist es sinnvoll sich Gedanken über die Muskelaktivität zu machen, ganz einfach, weil auch die (auf die Gelenke wirkenden) Muskelkräfte berücksichtigt werden müssen. Leider spiegelt sich diese Tatsache bis heute nicht in Pferdeausbildungen wider und werden nach wie vor, fast ausschließlich mit einem isolierten Einsatz der Körperteile des Pferdes, die durch viel Muskelaktivität entstehen, durchgeführt.

Das ist aber im Sinne des Pferdekörpers nicht korrekt und sogar gefährlich, weil ein Üben und vor allem ein Reiten in einem Spannungszustand plus erhöhter Muskelaktivität, die Gelenksbelastung des Pferdes sogar irrational erhöhen kann.

Die Tücken des Pferdekörpers

Wenn Pferde zu wenig oder gar keine Anreize und Impulse zur Bewegung von außen bekommen, die Umgebung zu langweilig ist, weil die Sinneswahrnehmungen des Pferdes nicht genügend angesprochen werden, nehmen Pferde (wie wir übrigens auch) gerne eine Haltung ein, die zwar für die Muskeln entspannend ist, aber Gelenke und den Gelenkumgebenden Bandapparat maximal belasten.

Die „entspannte Haltung“ des Pferdes

Während das Pferd mit Kopf und Hals nach vorne überhängt, verlagert sich der Schwerpunkt nach vorne. Die in dieser Position tiefliegende Brustwirbelkette und der komprimierte Rippenkorb verstärken dabei den entstehenden „Rundrücken“. Das Pferd hängt dabei in seinen Bändern. Um die Balance halten zu können, wird es seinen Kopf nach vorne strecken, die Genickmuskulatur wird dabei kurz und fest. Erhöhter Druck und Belastung in den Gelenken, Stress auf die Wirbelkette und muskuläre Dysbalancen: das sind die Gefahren dieser „entspannten Körperhaltung“.

Das Pferd „hängt“ in seinen Bändern! Wenn das Pferd älter wird werden die Strukturen immer unelastischer und belastender für die Gelenke

Wie wirkt dann eine verstärkte Muskelaktivität auf dieser Körpergrundlage?

Aber auch die „Korrektur“ dieser „Haltung“ (buchstäblich „Haltung“: denn das Pferd bewegt sich nicht in seiner plastischen Verfügbarkeit, sondern muss für diese „gehaltene Haltung“ eine große Energie aufbringen) hat so ihre Tücken.

„Ein starker Rücken des Pferdes entsteht durch intensives Muskeltraining des Pferderückens“. Solche und ähnliche Ratschläge haben Generationen von Reitern begleitet, und auch heute halten sie sich hartnäckig in den Reitställen. Doch inzwischen weiß man: die Vorstellung des fixierten Pferderückens ist nur sehr bedingt geeignet, um die Wirbelkette des Pferdes zum Reiten vorzubereiten. Heute sind die Bewegungsfähigkeit der Wirbelkette und die Gelenkentlastung, Schlüsselbegriffe für den belastbaren Pferdekörper (u. a. mit der Last des Reiters)

Eine falsche Hinterhandmechanik

Wird das Pferd dagegen – vielleicht sogar schon frühzeitig – in eine fixierte Haltung seines Körpers gezwungen, ist die Folge logischerweise eine eingeschränkte Mobilität – die wir als Mensch sehr  ernst nehmen müssen. Gefahrenmeldungen darüber gibt uns der Pferdekörper mehr als genug. Mit einem fixierten Körper bleibt die anspruchsvolle Aufgabe, zwischen Erdboden und Rumpf zu vermitteln, bei den Beinen des Pferdes hängen. Ein viel zu kleiner Bereich des Pferdes, vor allem weil die „kleinen Gelenke“ eine möglichst spannungsfreie Balance für ihre so wichtige Mobilität brauchen, die so vielem gerecht werden muss.

Korrekturen – sind sie geeignet für das Pferd?

Die „Korrekturen“ des Pferdekörpers die das „muskuläre System“ zu bieten hat, haben das Ziel, den Rücken des Pferdes aktiv über Muskelkraft aufzurichten und dazu entweder die Krümmungen der Wirbelkette zu verringern (Kopf runter) oder zu verstärken (Kopf hoch). Bei allen beiden „Korrekturen“ läuft man aber Gefahr, die Wirbelkette so stark zu fixieren, dass die Elastizität verloren geht.

Der „verformte“ Hals, mit hochgezogenen Schulterblättern

Eine vorhergehende „entspannte Haltung“ des Pferdes macht daher die Situation, in der sich der Pferdekörper befindet, noch schlimmer. Das Pferd zieht die Schulterblätter hoch, die Vorderbeine stabilisieren sich. Die Wechselbewegung der Bauch- und Rückenmuskulatur plus Atmung wird dabei erschwert. Alle fehlenden Entwicklungsschritte in der Motorik des Pferdes – sei es dass der Kopf des Pferdes aktiv vom Reiter gehalten, statt vom Pferd getragen wird – oder sich die bindegewebigen Strukturen um die hinteren Wirbel zum Becken hin versteift haben (Notmaßnahme des Pferdekörpers) – wirken sich nun zusätzlich negativ auf die Körpermechanik des Pferdes aus.

Ist der Pferdekörper aber nicht in seiner angeborenen Körpermechanik, bedeutet jedes Festhalten, die Festigkeit, und jeder Spannungszustand des Rumpfes und Kopf/Halses eine Druckbelastung auf die kleinen Gelenke der Beine. Außer strukturellen Schäden können Knorpelschäden usw. eine Folge der erhöhten Genickbelastung sein.

Es gibt offenbar viele gute Gründe, sich mehr über die Gelenkbelastung des Pferdes Gedanken zu machen als über eine Steigerung der Muskelaktivität und deshalb „Übungen“ mit dem Pferd zu machen, die die „Gelenkentlastung“ im Fokus haben und nicht eine Muskelverstärkung oder den Muskelaufbau, der ja unweigerlich die Gelenke (und auch Wirbel) „verzieht“.

Und auch zugleich mit großen negativen Kräften auf Schulter- und Hüftgelenke (die großen Gelenke!) einwirkt – (Gefahrenmelder sind z.B. die Knie und die Ellenbogen des Pferdes, aber genauso Schulterblatt/ Buggelenk – Hüftgelenk/ Iliosakralgelenk)

Die fixierte Wirbelkette lässt das unverfügbare Becken entstehen- die Muskelaktivität ist extrem hoch

In allen Fällen führt jedenfalls die hohe Anspannung der gelenkumgebenden Muskulatur (oder der unelastischen Sehnen) zu einer hohen Gelenkbelastung. Kommt dann noch die (statische) Last des Reiters dazu, muss das Pferd seine Muskelaktivität nochmal drastisch erhöhen – die Gelenkbelastung des Pferdes wird äußerst bedenklich und eigentlich nicht zu leisten. Eigentlich müsste man deshalb nicht von Last des Reiters reden – sondern von Druck (auf die Gelenke).

Belastungsmomente auflösen – aus der Gelenksbelastung in die Bewegungsfähigkeit

Der wichtigste Punkt für eine belastungsfreie Körpermechanik und eben auch für die Fortbewegung ist der Übergang von der Lendenwirbelkette zum Kreuzbein, also zum Becken. Der zweite, genauso wichtige, vordere Punkt liegt da, wo die Halswirbelkette mit dem Kopf des Pferdes verschmilzt. Ruht die Wirbelkette in einem inneren und äußeren Gleichgewicht des Pferdekörpers, wird der Kopf von der Wirbelkette „getragen“ – hat also kein wahrnehmbares Gewicht mehr für das Pferd und das Becken ist „verfügbar“ und jederzeit einsatzbereit.

Das aufgerichtete Tragen des Kopfes ergibt sich aus der aufgerichteten Konstruktion der Wirbelkette (plus der einzelnen Wirbel) – des Pferdes mit seinen drei Krümmungen. Diese ideale Position ändert sich aber sehr schnell, wenn der Pferdekopf beispielsweise nach vorne geschoben wird, ober durch Muskelverkürzungen im Genick „festgehalten“ wird.Alles was in der fixierten Position des Pferdekopfes noch zusätzlich auf dem Kopf des Pferdes „ruht“ wird vom Pferd als Last, Belastung oder Einschränkung empfunden.

Das Pferd als „Kopfträger“

Bei einem plastischen, Körpergebildeten „Kopfträger“ allerdings sind Hals, Schulter und die vorderen Gliedmaßen praktisch schwerelos – mit einem verfügbaren Becken kann das Pferd mit einiger Übung sein Gleichgewicht im Rumpf finden, damit sich die Beine des Pferdes ungehindert der koordinierten und Atemregulierten Fortbewegung widmen können.

Der Kopf des Pferdes kann sich so schwerelos und unanstrengend den höchsten Platz sichern – sicher getragen, und ständig verfügbar in einer Balance seiner eigenen Strukturen. Macht der Kopf und der Hals des Pferdes erst mal Platz für die großen Gelenke, finden sie zu ihrer genialen, einmaligen Konstruktion. Sie sind ausgestattet mit großen, richtig leistungsfähigen Muskeln und Strukturen, die mit dem Rumpf durch ihr Zusammenwirken verbunden sind. Dieser gesamte Fortbewegungsapparat muss dauernd frei funktionieren können und er sollte jederzeit sein Gleichgewicht finden können – unabhängig ob sich ein Pferd schnell oder langsam bewegt.  

(Auf der Webseite www.biologischemotorik.com finden Sie zu dem Artikel noch mehr erklärende Bilder)

Die BIOMOTORIK möchte das Pferd neugierig machen auf seinen Körper. Besser gesagt, SIE können die BIOMOTORIK nutzen, um den Bewegungen des Pferdes eine neue, natürliche und gesunde Richtung zu geben. Die BIOMOTORIK unterstützt SIE dabei, sich mit ihrem Pferd auf ihren ganz persönlichen Bewegungsweg zu machen, und so ganz neue, bisher unentdeckte Seiten und Fähigkeiten der Bewegung, an sich und ihrem Pferd kennenzulernen.

Womöglich finden Sie auf der Webseite www.biologischemotorik.com Antworten auf Fragen, die Sie sich noch gar nicht gestellt haben. Aber vielleicht auch auf solche, die Sie vielleicht schon lange mit sich herumtragen.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls bewegende Erfahrungen mit ihrem Pferd!

Monika Pausch